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vom umgang mit säumigen kunden und nichtzahlern – mythos 3

Posted in forderungsmanagement + inkasso

Mythos 3: Ich muss den säumigen Kunden dreimal mahnen.

In meiner Beitragsreihe “Vom Umgang mit säumigen Kunden und Nichtzahlern” habe ich bereits einige Mythen rund um säumige Kunden aufgeklärt, damit Du als Solopreneur künftig schneller an Dein Geld kommst. Heute räume ich mit dem Mythos auf, dass Du dreimal mahnen musst. Dieser Mythos ist sehr weit verbreitet und muss daher unbedingt einmal unter die Lupe genommen werden.

Als Solopreneur hast Du – ebenso wie jeder andere Unternehmer – immer mal wieder mit Kunden zu tun, die nur zögerlich oder gar nicht zahlen. Das ist ärgerlich, belastet es schlussendlich Deine Liquidität. Um so wichtiger ist es, hier gutes Handwerkszeug an der Hand zu haben.

Du hast für Deinen Kunden Leistungen erbracht und diese in Rechnung gestellt. Einwände hat der Kunde nicht, er ist eigentlich sogar zufrieden mit dem, was Du geliefert hast. Nur … er zahlt nicht. Und zahlt nicht. Du hast Dir das eine Weile angeschaut und Dich dann doch dazu entschlossen, ihm eine Mahnung zu senden. Die Entscheidung war natürlich nicht ganz einfach, denn schließlich will man ja seinen Kunden auch nicht verärgern. Doch auch die Mahnung zeigt keine Wirkung. Dir reicht es langsam und Du überlegst, eine weitere Mahnung zu senden. Schließlich muss man ja wohl drei Mahnungen schicken. Die “Großen” machen das ja schließlich auch so, dann wird das ja wohl auch für einen Solopreneur gelten. Aber ist das wirklich so, dass man dreimal mahnen muss? Und wofür ist das überhaupt wichtig?

Fangen wir mal hinten an. Bei der Frage, wofür das überhaupt wichtig ist. Denn, Du vermutest ganz richtig, solange Dein Kunde keine Mängel oder sonstigen Einwände geltend macht und alle Leistungen ordnungsgemäß erbracht wurden, besteht auch der Anspruch auf das Honorar. Gibt es vielleicht etwas darüber hinaus, wozu eine Mahnung erforderlich sein könnte? Genau so ist es. Wenn jemand verspätet zahlt, gerät er unter bestimmten Voraussetzungen in Verzug. Dieser wiederum führt dazu, dass er schadensersatzpflichtig wird. Er also den Schaden, der durch die verzögerte Zahlung bei Dir entstanden ist, in gewissem Rahmen tragen muss. Dazu zählen vor allem Verzugszinsen und die Kosten, die Dir zum Beispiel für die Inanspruchnahme eine Anwaltes entstehen.

Natürlich sagt bei uns das Gesetz dazu etwas. Nur – wie immer – ist es mal wieder nicht ganz so einfach wie es scheint. Das Gesetz sagt zunächst mal:

Leistet der Schuldner – also Dein säumiger Kunde – auf eine Mahnung des Gläubigers – also von Dir – nicht, die nach dem Eintritt der Fälligkeit erfolgt, so kommt er in Verzug.

Daraus könnt man jetzt schließen, dass man auf jeden Fall mahnen muss, um den säumigen Kunden in Verzug zu setzen und den Anspruch auf Ersatz des Verzugsschadens zu begründen. Aber das wäre natürlich viiiiiiiel zu einfach.

Halten wir erstmal fest: wenn überhaupt, spricht das Gesetz von einer Mahnung und nicht etwa von zweien oder dreien. Also ist dreimal zu mahnen reiner guter Wille Deinerseits und keinesfalls zwingend vorgeschrieben. Und es kommt noch besser: unter bestimmten Voraussetzungen musst Du überhaupt gar nicht mahnen. Das Gesetz kennt folgende Fälle, in denen nicht gemahnt werden muss (diese sind alternativ und nicht kumulativ!):

  1. für die Leistung – in dem Fall die Zahlung – ist eine Zeit nach dem Kalender bestimmt
  2. der Leistung hat ein Ereignis vorauszugehen und die Zahlung eine bestimmbare Zeit nach dem Ereignis zu erfolgen hat, also beispielsweise sieben Tage nach Lieferung
  3. Der Kunde verweigert die Zahlung endgültig und ernsthaft.
  4. Der Kunde hat dreißig Tage nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung noch immer nicht gezahlt ; ist Dein Kunde Verbraucher gilt dies allerdings nur, wenn Du in der Rechnung darauf hingewiesen hast.      oder
  5. Es liegen besondere Gründe vor, die unter Abwägung der beiderseitigen Interessen den sofortigen Eintritt des Verzuges rechtfertigen.

Am besten formulierst Du Deine Verträge und Rechnungen also so, dass Du überhaupt nicht mahnen musst. Es aber natürlich dennoch kannst.

Ich zum Beispiel habe sehr klare Vereinbarungen mit meinen Mandanten und wenn diese dann doch einmal nicht rechtzeitig zahlen – was zum Glück sehr, sehr selten vorkommt, rufe ich sie zunächst mal an oder sende Ihnen eine freundliche Mail, mit der ich an die Zahlung erinnere und nochmals ein kurze Frist setze. Erfolgt dann immer noch keine Zahlung wäge ich im Einzelfall ab wie ich weiter verfahre. Jedenfalls erfolgt das alles in sehr zügiger zeitlicher Abfolge, denn jeder Tag der weiteren (Zahlungs-)Verzögerung geht zu Lasten meiner Liquidität. Werden in laufenden Mandaten Vorschussrechnungen nicht gezahlt, stelle ich unter Umständen auch die Leistung ein, um nicht weiter in Vorleistung zu treten, die dann möglicherweise nicht gezahlt wird. Aber wie gesagt, das sind bei mir zum Glück ganz wenige Einzelfälle und sollten es bei jedem Solopreneur auch sein oder künftig werden.

 

 

 

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