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solopreneur = kaufmann?

Posted in handelsrecht, and rechtsbegriffe

Bist Du als Solopreneur Kaufmann?

In den letzten Beiträgen ist immer mal wieder von Verbrauchern, Unternehmern und auch Kaufleuten die Rede gewesen. Zu dem Unterschied zwischen Verbraucher und Unternehmer und wozu diese Unterscheidung wichtig ist,habe ich bereits etwas zum Besten gegeben (s. “verbraucher vs. Unternehmer). Doch mit dieser Differenzierung nicht genug. Das deutsche Recht kennt zu allem Überfluss auch noch den Kaufmann. Nun mag man sich fragen, was zum Teufel soll das nun wieder? Ist nicht jeder Unternehmer Kaufmann? Und ist der Solopreneur als Unternehmer damit nicht auch automatisch Kaufmann? Diese Fragen will ich heute kurz aufgreifen und Licht in den Dschungel der Begriffe bringen.

Rein “finanztechnisch” sollte sicher jeder Solopreneur und sonstige Unternehmer Kaufmann sein. Laut Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Kaufmann) ist ein Kaufmann

“…eine Person, die erwerbsmäßig ein Geschäft tätigt (Geschäftsmann), eine Ware einkauft und weiter zum Kauf anbietet – um beim Verkauf einen finanziellen Gewinn (Profit) zu erzielen”.

Das ist grundsätzlich erstmal unser aller Ziel. Doch das wäre natürlich zu einfach. Und einfach ist bei uns Juristen quasi nichts.

Die juristische Definition ist eine engere und im Handelsgesetzbuch (HGB) zu finden:

  1. Kaufmann im Sinne dieses Gesetzbuches ist, wer ein Handelsgewerbe betreibt.
  2. Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, daß das Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert.

Prima. Und nu’? Nun bin ich genau so klug wie vorher, magst Du Dir vielleicht sagen. Nun, der Gesetzgeber liebt es schwammig, aber dennoch lässt sich das Ganze etwas genauer definieren.

Damit ist erstmal klar: Jeder, der ein Handelsgewerbe betreibt, ist Kaufmann, egal in welcher Rechtsform er das tut und völlig losgelöst davon, ob er im Handelsregister eingetragen ist oder nicht.

Und was ist, wenn Du kein Gewerbe betreibst, sondern freiberuflich unterwegs bist – was für einen Solopreneur nicht gerade selten ist?  Die Definition legt nahe, dass Du dann kein Kaufmann bist. Genau. Doch das gilt nur, sofern Du nicht im Handelsregister eingetragen bist. Ist Deine Tätigkeit zwar eigentlich eine freiberufliche wie zum Beispiel die Erbringung von Beratungsleistungen, bietest Du diese aber in einer Rechtsform an, die im Handelsregister einzutragen ist (z.B. GnbH oder UG), gilt das Ganze per Gesetz als Handelsgewerbe. Womit dann auch die Kaufmannseigenschaft gegeben ist. Es kommt dann also überhaupt nicht mehr darauf an, dass Du eigentlich eine freiberufliche Tätigkeit ausübst.

Übrigens gelten Kleingewerbetreibende, sofern sie nicht im Register eingetragen sind, in der Regel nicht als Kaufmann. Allerdings kommt es hier im Einzelfall darauf an inwieweit bestimmte Kriterien zur Annahme des Kleingewerbes erfüllt sind.

Wichtig ist die Frage, ob Du Kaufmann bist oder nicht, im Zusammenhang mit verschiedenen gesetzlichen Regelungen. So zum Beispiel die Frage, ob das HGB auf Dich Anwendung findet und Du die enthaltenen Bestimmungen beachten musst. So kann zum Beispiel Dein Schweigen auf ein Angebot als Annahme desselbigen gewertet werden, wenn das HGB Anwendung findet. Oder Du musst gelieferte Waren unverzüglich auf Mängel untersuchen un diese unverzüglich anzeigen, sofern das Geschäft auch für den Vertragspartner Handelsgeschäft ist.

Und sollte es Dir wie mir gehen, dass die Frage (auf welche ich natürlich eine Antwort parat habe) bleibt, welche Tätigkeit denn nun wieder als freiberuflich und welche als gewerblich einzustufen ist … diese Frage habe ich mir soeben als Thema für einen der nächsten Beiträge aufgeschrieben.

 

 

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