Skip to content

solopreneur und umsatzsteuer

Posted in internetrecht, and steuerrecht

Beachtest Du die richtige Umsatzsteuer für elektronische Leistungen?

Da mich in den letzten Wochen mehrfach Fragen zu diesem Thema erreicht haben, möchte ich dieses Thema, welches Anfang diesen Jahres aktuell wurde (auf Grund einer gesetzlichen Änderung), nochmals aufgreifen.

Worum es geht.

Bisher galt: als in Deutschland ansässiger Anbieter elektronischer Leistungen musstest Du die Leistungen in Deutschland besteuern und die Steuer auch in Deutschland abführen. Dies hat sich zu Beginn dieses Jahres geändert. Die Besteuerung und Abführung der Steuer richtet sich jetzt nach dem Wohnsitz Deines Kunden. D.h., nur dann wenn dieser auch in Deutschland seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat, fällt die “deutsche” Mehrwertsteuer an und ist in Deutschland abzuführen. Wohnt Dein Kunde hingegen beispielsweise in Italien oder irgendeinem anderen europäischen Land, muss die Steuer nach den dort geltenden Vorschriften erhoben und auch in dem jeweiligen Land abgeführt werden. Hintergrund der europäischen Regelung, welche alle Mitgliedsstaaten in ihr nationales Recht umsetzen müssen bzw. bereits schon umgesetzt haben, ist die Schaffung von Steuergerechtigkeit. Es soll, so die Idee dahinter, vermieden werden, dass insbesondere große Unternehmen in Länder mit besonders niedrigem Steuersatz “flüchten”. Mit der Regelung ist es nunmehr zumindest umsatzsteuerrechtlich egal, wo das Unternehmen seinen Sitz hat.

Wer handeln muss.

Betroffen bist Du, wenn Du Leistungen auf elektronischem Wege an Verbraucher erbringst. Das können zum Beispiel E-Books, kostenpflichtigen Communities, Download-Software, Webdesign, SEO, Onlinemarketing etc. sein. Betroffen bist Du also dann, wenn Du 1. Leistungen auf elektronischem Wege und zwar 2. gegenüber Verbrauchern erbringst. D.h.aber auch, wenn Du nur körperliche Produkte veräußerst, also z.B. Software nur auf einem Datenträger, bist Du nicht betroffen. Ebenso nicht, wenn Du ausschließlich an gewerbliche Kunden leistest. Dann hast Du aber die dafür geltenden steuerlichen Vorgaben zu beachten. Betroffen sind allerdings nicht nur diejenigen Anbieter, die Ihre (elektronischen) Leistungen via Onlineshop vertreiben. Betroffen ist jeder Weg der Leistungserbringung auf elektronischem Wege. Also z.B. auch diejenigen Anbieter, welche Leistungen durch Bestellung per E-Mail und Versand z.B. des E-Books per Mail erbringen.

Grundsätzlich sind weltweit alle Anbieter im obigen Sinne betroffen, da es nunmehr allein auf den Wohnsitz des Kunden ankommt. Bestellt also zum Beispiel ein deutscher Verbraucher ein E-Book in Brasilien, so muss das dort ansässige Unternehmen die Leistung nach deutschem Recht besteuern (19 % USt) und die Steuer auch nach Deutschland abführen.

Was bei Onlineshops beachtet werden muss.

Die steuerrechtliche Änderung bringt leider viel Aufwand für Onlineshopbetreiber mit sich. Es muss nicht nur der Wohnsitz, sondern auch die Verbraucher- bzw. Unternehmereigenschaft des Kunden abgefragt werden. Du musst für jedes Land prüfen, welcher Steuersatz gilt und für welche Produktkatgorie. So gilt in Deutschland zum Beispiel für Hörbucher der Steuersatz von 7 % und für E-Books 19 %. Auch in anderen Ländern gilt nicht unbedingt ein einheitlicher Steuersatz. Auf Grund der in Deutschland geltenden Vorschriften bist Du verpflichtet in Deinem Onlineshop für Verbraucher Bruttopreise schon im Auswahlprozess auszuweisen. Dies wird nun deutlich erschwert, da dieser Preis je nachdem wo der Kunden wohnt ein anderer sein kann.

Meines Erachtens bleiben drei Möglichkeiten:

1. Du beschränkst Dein Angebot auf Kunden aus Deutschland bzw. einen eingeschränkten “Länderkreis”.

2. Du bietest die Leistungen zu einem einheitlichen Preis an, egal wo der Kunde wohnt. Hier solltest Du vorher die Preise unter Einbeziehung der bisherigen Herkunftsorte Deiner Kunden klar kalkulieren, damit das Ganze wirtschaftlich bleibt. Nur am Rande: ein einheitlicher Preis entbindet nicht vom Ausweis der richtigen Steuer in der Rechnung.

3. Du weist dynamische Preise aus, welche sich nach dem Wohnort des Kunden richten. Dies dürfte ein erheblicher Programmierungsaufwand sein.

Daneben musst Du natürlich sicherstellen, dass die diversen rechtlichen Vorgaben zum elektronischen Geschäftsverkehr wie Hinweispflichten, bestimmte Beschreibung der Waren, richtige Preisangabe, Widerrufsrecht etc. weiterhin gewahrt werden. Du solltest unbedingt überprüfen, ob Dein Onlineshop die rechtlichen Vorgaben erfüllt und gegebenenfalls die erforderlichen Anpassungen vornehmen, um teuren Abmahnungen zu entgehen.

Was Du beim Verkauf über Plattformen Dritter beachten musst.

Dies hängt davon ab, ob Du auf der Plattform als Verkäufer auftrittst. Nutzen Sie Handelsplattformen Dritter, bei denen Du als Verkäufer auftrittst, musst Du selbst für die Umsetzung und Beachtung der Regelung achten. Nutzt Du hingegen Plattformen, bei welchen nicht Du selbst, sondern der Plattform-Betreiber als Verkäufer auftritt, muss dieser auch dafür Sorge tragen, dass die Vorschriften eingehalten werden. Dich treffen damit keine Änderungspflichten. Du solltest lediglich darauf achten – wie Du es bei jeder Eingangsrechnung tust – ob diese richtig ausgestellt ist. Um Klarheit über das Modell der Plattform zu haben solltest Du die AGB des jeweilige Plattformbetreibers aufmerksam lesen.

Wie die Umsatzsteuer angemeldet und abgeführt werden kann.

Grundsätzlich kannst Du die Steuer in den jeweiligen “Herkunftsländern” der Verbraucher, die Leistungen von Dir erhalten, anmelden und auch dorthin abführen. Dies ist jedoch unter Umständen ein immenser Aufwand. Stattdessen kannst Du das “Mini-One-Stop-Shop”-Verfahren (kurz: MOSS) nutzen. Damit kannst Du die Umsätze für alle EU-Staaten zentral anmelden und abführen. Dies erfolgt gegenüber dem Bundeszentralamt für Steuern. Details findest Du auf der Seite des Amtes: http://www.bzst.de/DE/Steuern_International/Mini_One_Stop_Shop/Mini_One_Stop_Shop_node.html?

Nützliche Informationen sind auch auf der Website der Europäischen Kommission zu finden: http://ec.europa.eu/taxation_customs/taxation/vat/how_vat_works/telecom/index_de.htm#new_rules

Be First to Comment

interagiere

%d Bloggern gefällt das: