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umgang mit säumigen kunden und nichtzahlern – mythos 1

Posted in allgemeines, and forderungsmanagement + inkasso

Mythos 1: Ich darf keine Schadenspauschale geltend machen.

Im Umgang mit säumigen Kunden und Nichtzahlern begegne ich immer wieder einigen Mythen, die ich hier in der nächsten Zeit ausräumen möchte (allgemein dazu mein Blogbeitrag vom 25.05.15 “Vom Umgang mit säumigen Kunden und Nichtzahlern”). Heute nehme ich mir den ersten Mythos vor: Ich darf von meinem nicht zahlenden Kunden keine Schadenspauschale fordern.

Ein säumiger Kunde und Nichtzahler macht Ärger und kostet Zeit. Daher ist das Gefühl, dass man einen Ausgleich dafür haben möchte – und sei es nur aus Prinzip –  mehr als nachvollziehbar. Doch hat man darauf Anspruch?  Hier muss man unterscheiden zwischen einer Schadenspauschale und dem Ersatz von tatsächlich entstandenen Kosten wie Mahnkosten u.ä.  Eine weitere wichtige Unterscheidung ist, ob Dein Kunde Verbraucher – also Privatmann – oder Unternehmer ist. Aber der Reihe nach.

Eine Schadenpauschale ist ein Pauschalbetrag, der losgelöst von dem tatsächlich entstandenen Aufwand ist. Der Schadensersatz auf Grund des Verzuges Deines Kunden hingegen ist gerade keine Pauschalierung, sondern erfasst nur den konkret entstandenen Schaden wie z.B. Mahnkosten.

Und tatsächlich sieht das Gesetz nicht nur einen Anspruch auf Ersatz des Verzugsschadens vor, sondern auch eine Schadenspauschale. ABER…. keine Satz ohne aber bei uns Anwälten, ich weiß. Also. Aber es gibt Einschränkungen. Und da sind wir als erstes bei der Frage: Ist mein Nichtzahler Verbraucher oder Unternehmer. Warum ist das wichtig? Die Antwort ist so einfach wie eindeutig: weil das Gesetz die Geltendmachung einer Schadenspauschale – das Gesetz sieht 40 € vor – an die Voraussetzung knüpft, dass Dein Nichtzahler Unternehmer ist. Ist er Privatmann/ Verbraucher besteht dieser Anspruch nicht. Unbenommen bleibt es dann aber, tatsächlich angefallene Mahnkosten etc. als Verzugsschaden geltend zu machen.

Die Pauschale muss, wenn im weiteren Verlauf Rechtsverfolgungskosten wie z.B. Anwaltskosten entstehen, auf diese angerechnet werden. Entstehen beispielsweise 200 € Anwaltskosten, welche im übrigen in der Regel der Schuldner als Verzugsschaden zu tragen hat, ist davon die Pauschale von 40 € in Abzug zu bringen. D.h., dass der Schuldner insgesamt 200 € und nicht etwa 240 € zu zahlen hat.

Regelungen, welche den Anspruch auf die Pauschale im Voraus ausschließen oder beschränken, sind unwirksam. Ebenso sind derartige Vereinbarungen unwirksam, wenn sie im Hinblick auf den Gläubiger – in dem Fall Dich –  als unbillig anzusehen sind. Letztere Konstellation ist vor allem dann anzutreffen, wenn ein Auftraggeber die vertraglichen Regelungen wie z.B. seine AGB vorgibt.

Folgende Formel kannst Du Dir als Orientierung merken:

Nichtzahler = Verbraucher/ Privatmann: keine Schadenspauschale, nur der konkrete Verzugsschaden

Nichtzahler = Unternehmer: Schadenspauschale und konkreter Verzugsschaden, wobei die Pauschale auf den konkreten Verzugsschaden anzurechnen ist

 

Als nächstes werde ich mir den Mythos Nummer 2 vornehmen: Der säumige Kunde/ Nichtzahler muss keine Zinsen zahlen.

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interagiere

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