Skip to content

vom umgang mit säumigen kunden und nichtzahlern – mythos 2

Posted in forderungsmanagement + inkasso

Mythos 2: Der säumige Kunde bzw. Nichtzahler muss keine Zinsen zahlen.

Im Umgang mit säumigen Kunden begegne ich bei meiner tägliche Arbeit immer wieder einigen hartnäckigen Mythen, mit denen ich aufräumen möchte.

Mit dem Mythos, dass Du von Deinem säumigen Kunden keine Schadenspauschale fordern darfst, habe ich bereits aufgeräumt (Blogbeitrag vom 28.05.2015). Heute knöpfe ich mir den Mythos vor, dass Du keine Zinsen von einem säumigen Kunden verlangen darfst.

Nun, wenig überraschen wird Dich jetzt meine Aussage, dass auch dieser Mythos so nicht stehen bleiben kann.

Die gute Nachricht direkt vorweg: selbstverständlich kannst Du unter bestimmten Voraussetzungen Zinsen für den Zeitraum der verspäteten Zahlung – fachmännisch auch “Verzug” genannt – fordern. Dies ist gesetzlich sogar eindeutig geregelt. Und meines Erachtens solltest Du die Zinsen auch tatsächlich einfordern, denn Du bist keine Bank – eine Bank nähme im übrigen, würde der Kunde sich das Geld dort leihen, auch Zinsen. Letztlich geht eine verspätete Zahlung eines Kunden zu Deinen Lasten, zu Lasten Deiner Liquidität und tatsächlich auch auf Deine Kosten. Denn das Geld kann nicht an andere Stelle für Dich arbeiten oder Du musst schlimmstenfalls selber – und sei es nur für einige Tage – einen Kredit beanspruchen, der Dich Zinsen kostet. Aber zurück zur Kernfrage: Kannst Du Zinsen von Deinem säumigen Kunden verlangen. Ja, das kannst Du. Voraussetzung ist, dass sich Dein Kunde in Verzug befindet. Er also erst nach dem Tag der Fälligkeit zahlt bzw. eben nicht bis zum Tage der Fälligkeit zahlt. Ist die Fälligkeit also beispielsweise am 15. Juni befindet sich der Kunde ab dem 16. Juni in Verzug und Du könntest ab dem 16. Juni Verzugszinsen fordern.

Nun fragst Du Dich vielleicht: Kann ich Zinsen in beliebiger Höhe fordern? Das geht natürlich nicht. Auch hierzu gibt es ziemlich klare gesetzliche Bestimmungen. Ist der säumige Kunde ein Verbraucher können 5 % über Basiszinssatz gefordert werden. Ist der säumige Kunde Unternehmer können 9 % über Basiszinssatz  gefordert werden (dazu wer Verbraucher und wer Unternehmer ist, siehe mein Blogbeitrag Verbraucher vs. Unternehmer). Zu beachten ist, dass der Verzugszinssatz von 9 % über Basiszinssatz erst für alle Verträge gilt, die nach dem 28. Juli 2014 entstanden sind. Davor galt ein Verzugszinssatz im unternehmerischen Rechtsverkehr von 8 % über Basiszins. Ein höherer Zins, der z.B. dadurch entsteht, dass Du einen Kredit aufnehmen musstest oder das Konto überzogen ist, kann als Verzugsschaden geltend gemacht werden, muss aber nachgewiesen werden. Gleiches gilt natürlich für einen vertraglich vereinbarten abweichenden Zinssatz; dieser muss nicht nur vereinbart sein, er darf auch nicht gegen Treu und Glauben verstoßen, also vor allem nicht übermäßig hoch sein.

Der Basiszinssatz, dessen Höhe Du unbedingt zur Bestimmung der Verzugszinsen kennen musst, ändert sich übrigens immer zum 1.1. und 1.7. des Jahres. Informationen zur Höhe des Basiszinssatzes findest Du zum Beispiel auf der Website der Bundesbank.

Im Zusammenhang mit dem Verzug von Kunden stellt sich auch immer wieder die Frage: Muss ich eigentlich mahnen? Und wie oft? Dieser Fragen nehme ich mich im kommenden Beitrag ” Vom Umgang mit säumigen Kunden und Nichtzahlern – Mythos 3: ich muss dreimal mahnen” an.

 

Be First to Comment

interagiere

%d Bloggern gefällt das: